Straßenkapelle oder Balze-Ries-Kapelle

Die Straßenkapelle von Külsheim

oder Balze-Ries Kapelle

Hoch über der Stadt Külsheim mit seinem herrlichen Brunnen und Schloss, seinen Stadtmauern und mittelalterlichem alten Rathaus steht dieses historische Kleinod, die Straßenkapelle von Külsheim.

Ihr Platz an der heutigen Panzerstraße am Rande des Standortübungsplatzes ist die Stelle, an der die kürzeste Verbindung von der ehemaligen Hohen Straße – einem mittelalterlichen Fernhandelsweg von Nürnberg nach Frankfurt – im rechten Winkel abzweigt und auf dem man durch die ehemals vierreihige Lindenallee - einem Naturdenkmal - hinunter nach Külsheim, einem Jahrhunderte alten kurmainzischen Amtsstädtchen, gelangte. Tausende Pilger benutzten diese Allee auch auf ihrem Pilgerweg von Fulda und aus dem Eichsfeld bei ihrer Blutwallfahrt nach Walldürn.

Ihren Ursprung hat die Kapelle einem besonderen Gelöbnis eines gewissen Balthasar (Balz) Ries aus Külsheim zu verdanken, der sie im Jahre 1727 stiftete, wie der Text über dem Türstock verrät.

Er, nach anderen Quellen sein Sohn, war um 1700 bei Türkeneinfällen in den Donauländern in die Türkei (auch Russland genannt) in die Sklaverei (Gefangenschaft) verschleppt worden. Im Falle seines Überlebens wollte er an der Stelle, von wo aus er seine Heimat wiedererkenne, eine Kapelle zu Ehren des Hl. Nepomuk errichten lassen. So geschah es.

Eine Votivtafel aus Tannenholz, die sich früher in der Kapelle befand, zeigt den Heimkehrer mit seiner Familie, sieben Kindern und seiner 1. Ehefrau. Ein Altarbild des Hl. Antonius schmückte früher den Altarraum, heute ist es eine schöne Pieta.

Mit dem Einzug der Bundeswehr in Külsheim und der Einrichtung des Standortübungsplatzes liegt die Kapelle auf militärischem Gelände. Nach Errichtung des Ehrenmals für die Gefallenen der ehemaligen 14. Panzerdivision übernahm der Traditionsverband unterstützt durch die Stiftung „Gedenkstätte Straßenkapelle“ die Betreuung und Pflege der gesamten Anlage mit einer Vielzahl von Wegkreuzen, unter ihnen der berühmte „Hohe Herrgott“, der dem Külsheimer Wein seinen Namen verlieh.

Am Wochenende ist der Zugang zur Kapelle erlaubt, da die Kapelle und die Umgebung militärisches Gelände ist. In Sonderfällen ist die Genehmigung des Standortkommandanten der Kaserne in Hardheim einzuholen. Auskunft erteilt auch das kath. Pfarramt Külsheim oder Verfasser.

Verfasser: Egon Kirschner          Tel. 09345-1209