Katharinenkapelle
Die Katharinenkapelle in Külsheim – ein spätgotisches Schmuckstück
Die Katharinenkapelle inmitten der Altstadt von Külsheim verdankt ihre Erbauung (1439 bis 1444) einem wohlhabenden geistlichen Herrn aus Külsheim, der die Kapelle in Form einer Stiftung finanzierte, erbauen ließ und mit Mitteln ausstattete. Die Stiftung war eine sogenannte Jahrtagsstiftung, die er für sich und seine Eltern einrichtete.
Georg Birser(auch Byrser) war Domherr in Regensburg und zugleich Kanzler des Wittelsbacher Herzogs Heinrich des Reichen in Landshut. Außerdem war er Stiftsherr an St. Johann in Regensburg. So belegt es eine Urkunde im Pfarrarchiv.
In der Urkunde heißt es:
„Ich, Johannes Mantel, Rektor der Pfarrkirche zu Külsheim“ (St. Martin) „ in der Mainzer Diözese, tue kund den Gegenwärtigen, wie der in Christus ehrwürdige Georg Birser, Kanzler des Herzogs Heinrich, entflammt vom Eifer brennender Frömmigkeit, eine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Katharina in der Stadt Külsheim zur Vermehrung des göttlichen Kultes neu zu errichten und mit einem Fond zu beschenken und damit anzufangen beabsichtigt.“
Es folgen ganz menschlich gedachte Ausführungen, wie die Einnahmen der Kapelle zwischen ihm, dem Stadtpfarrer, und dem Kapellenfond zu verteilen seien. Besagtes galt für ihn und alle seine zukünftigen Nachfolger im Amte.
(Unterschrift, Siegel sowie Datum: „zu Mainz am Palmsonntag im Jahre des Herrn 1439)
Dommherr Birser beschaffte sogar, wie es vor der Reformation noch üblich war, zur Vermehrung der Spenden einen 100-Tage-Ablass zum Nachlass der Sündenstrafen.
Die Kapelle selbst ist im spätgotischen Stil erbaut mit wunderschönen Spitzbogen-fenstern und im Inneren mit prächtigen Kreuzrippengewölben. Den Altarraum schmücken die besonders schönen mittelalterlichen Fresken, die die Legende der Heiligen Katharina von Alexandrien und ihr Martyrium (Gefängnis, Geißelungen, Rädern und Enthaupten) darstellen. Ihr Tod durch Enthauptung zeigt eines der Freskenmotive ganz eindrucksvoll. Sie war eine der frühen Glaubenszeuginnen, als in Ägypten römisches Heidentum und die neue Gemeinschaft der Christen aufeinander trafen.
Herrliche Glasfenster aus der Zeit vor 1900 von Glasmaler Eugen Böhrer aus Offenburg und der neugotische Alter mit der Darstellung der Heiligen 3 Könige von Bildhauer Marmon von Sigmaringen 1873 vervollkommnen den Ort der Besinnlich-keit inmitten des Städtchens..
Über der Eingangstür befindet sich die Statue der Hl. Katharina von Alexandrien des bekannten aus Külsheim stammenden Bildhauers Julius Seitz, welche Katharina mit Buch, gebrochenem Rad und Schwert darstellt. Sie zählt zu den 14 Nothelfern, die im fränkischen Raum immer noch verehrt werden und sie gehört daher auch zu den 3 heiligen Jungfrauen.
Fränkischer Volksspruch: Margareta mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Katharina mit dem Rad'l,
Das sind die heiligen drei Madel.
Das Katharinenkloster(griech.-orthodox) auf dem Sinai in Ägypten, wohin Engel der Legende nach ihren Leichnam verbrachten, besteht heute noch inmitten einer islamischen Welt und zählt zu den ältesten der Christenheit.
Verfasser: Egon Kirschner Gemeindemitglied St. Martin Külsheim
Kapellenführungen sind möglich: Egon Kirschner 09345-1209
