Bronnbach, Klosterkirche Mariä Himmelfahrt

Quelle: Pater Artur Schreiber MSF
Mit Hilfe von Stiftungen des lokalen Adels gründete der Zisterzienserorden im Jahre 1153 im Taubertal zwischen den Dörfern Gamburg und Reicholzheim das Kloster Bronnbach. Es handelt sich um eine Filialbildung des Klosters Maulbronn. Hier entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die großzügige Klosteranlage, die bis heute relativ unverändert in der Form erhalten ist, in der sie die Zisterzienser 1803 aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses aufgeben mußten. Nach der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Zisterzienserkloster eine Fürstenresidenz. Der Bau der Taubertalstraße im 19. Jahrhundert führte freilich zum Verlust der Klostertore und weniger Gebäude. Diese Straße durchschneidet das ummauerte Gelände, auf dem sich sowohl die Kirche als auch der alte Konventsbau und zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude befinden. Es kam zur Umnutzung und Zweckentfremdung von Teilen des Komplexes, etwa durch einen Brauereibetrieb. In den 1980er Jahren erwarb der Main-Tauber-Kreis das zum Teil recht sanierungsbedürftige alte Kloster, das seither aufwendig restauriert und zu einem vielseitigen Kulturzentrum ausgebaut wird.

Quelle: Pater Artur Schreiber MSF
Die Architektur der alten Abteikirche Mariä Himmelfahrt präsentiert sich im wesentlichen in der Gestalt der Bauzeit: ein spätromanischer Kirchenbau, der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts begonnen und 1222 geweiht wurde. Er imponiert durch seine Größe. Durch die Westfassade, die sich wie das gesamte Äußere des Gotteshauses recht schmucklos präsentiert und der bis zum Bauernkrieg 1525 eine Vorhalle vorgelagert war, betreten die Besucher das Langhaus. Es handelt sich um eine kreuzförmige, dreischiffige Basilika, deren Mittelschiff ein Tonnengewölbe überspannt. Durch Bemalung wird freilich der Eindruck eines Kreuzgratgewölbes erweckt. Über der Vierung von Mittelschiff und Querschiff befindet sich ein Dachreiter, in dem bis heute die Glocke aufgehängt ist. Im Chorbereich ist die Kirche wohl am massivsten umgebaut worden. Ursprünglich handelte es sich wohl um einen niedrigen, fünf Apsiden umfassenden Abschluß der Kirche. Die heutige erhöhte und lichtdurchflutete Gestalt des Chorraums wurde im 18. Jahrhundert hergestellt. Lediglich eine Apsis ist noch vorhanden, die freilich nur von außen zu betrachten ist, da sie im Innern vom wuchtigen Hochaltar verdeckt wird.
Quelle: Nobert Latocha FotoDesign, Obertshausen
Quelle: Pater Artur Schreiber MSF Quelle: Pater Artur Schreiber MSF

Dieser goldglänzende Hochaltar, in dessen Mittelpunkt ein Gemälde steht, das die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigt, zieht die Blicke jeder Kirchenbesucherin und jedes Kirchenbesuchers sofort auf sich. Sieht man von den gotisierenden Beichtstühlen, den Kirchenbänken und der zweigeschossigen Empore im Westen der Kirche ab, die Ende des 19. Jahrhunderts hinzugefügt wurden, überwiegen bei der Kirchenausstattung barocke Formen. Dies hängt nicht zuletzt mit der Geschichte des Klosters Bronnbach zusammen. Es wurde im Grenzgebiet der historischen Bistümer Mainz und Würzburg errichtet, wobei Würzburg die Diözesanrechte schon zur Bauzeit der Kirche für sich durchsetzen konnte. Seit dem Spätmittelalter konnten die Grafen von Wertheim als Schutzherren fungieren – bis sie 1556 ausstarben. Es dauerte rund vier Jahrzehnte, bis sich als Erben die Grafen von Löwenstein-Wertheim etablieren konnten. In der Zwischenzeit wurde die zur Mitte der 1550er Jahre eingeführte Reformation des Klosters unter dem Einfluß der Würzburger Fürstbischöfe rückgängig gemacht. Sowohl um die Schutzherrschaft über das Kloster sowie um den Konfessionsstand der Untertanen in den zum Kloster Bronnbach gehörenden Dörfern Reicholzheim, Dörlesberg und Nassig (das lutherisch blieb und an Wertheim fiel) wurde bis in die 1670er Jahre gestritten. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kloster von den Schweden besetzt und geplündert.

Quelle: Pater Artur Schreiber MSF
Quelle: Nobert Latocha FotoDesign, Obertshausen
So ist die Kirchenausstattung durchaus als Symbol der erfolgreichen Gegenreformation zu sehen. Im Chor der Kirche befinden sich zwei Thronbaldachine – einer für den Bronnbacher Abt, der andere für den Würzburger Fürstbischof, der die Loslösung aus der Schutzherrschaft der Wertheimer Grafen und die Rekatholisierung politisch durchsetzte. Schon in den 1640er Jahren begann die Neuausstattung der Kirche in frühbarocken Formen, wovon vor allem die Kanzel Zeugnis ablegt. Der 1712 aufgestellte Hochaltar formt den Höhepunkt einer kulissenartigen Aufstellung von vier barocken Nebenaltären an den Pfeilern des Langhauses. Vor der erhaltenen Chorschranke stehen zwei weitere Rokokoaltäre, die – wie das eindruckvolle Chorgestühl – noch kurz vor der Säkularisierung des Klosters im Rokokostil hinzugefügt wurden. Seit kurzer Zeit zieren den Chor eine moderne Altarmensa sowie ein Ambo.
Die Klosterkirche Maria Himmelfahrt liegt heute auf der Gemarkung der Stadt Wertheim und auf dem Gebiet der Pfarrei St. Georg in Reicholzheim, die mit der Dörlesberger Pfarrgemeinde St. Dorothea eine Seelsorgeeinheit bildet. Für zentrale Feiern in der Seelsorgeeinheit wird die Klosterkirche von beiden Pfarrgemeinden gemeinsam genutzt, etwa für die Firmung oder die Aufnahme der neuen Ministrantinnen und Ministranten. Doch nicht nur für die Pfarreien der Seelsorgeeinheit Bronnbach stellt die Klosterkirche einen geistlichen Mittelpunkt dar.
Der Maintauberkreis hat sich bei der Entwicklung des Bronnbacher Kulturzentrums, zu dem beispielsweise Museen, der Archivverbund Main-Tauber oder das Frauenhoferinstitut für Silicatforschung gehören, in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Freiburg um die Wiederbelebung des geistlichen Zentrums Bronnbach bemüht. In einem Flügel des alten Klostergebäudes leben vier Patres von der Kongregation der Missionare der Heiligen Familie, die neben der Seelsorgeeinheit Bronnbach weitere Pfarrgemeinden der Umgebung als Seelsorger betreuen. Einer der Patres ist Rektor der Klosterkirche. Die Sonntagsgottesdienste, für die im Winter die Klosterkapelle genutzt wird, finden immer um 10.30 Uhr statt.
Text: Dr. Frank Kleinehagenbrock (für "Kirche des Monats", Konradsblatt 9/2008)
Fotos: P. Artur Schreiber MSF
Literatur:
Peter Müller (Hg.): Kloster Bronnbach 1153-1803. 650 Jahre Zisterzienser im Taubertal, Wertheim 2003.
